Hund frisst plötzlich nicht mehr: Die Frage ist nicht was, sondern seit wann
August 2026
Sie verweigerte fast alles. Jede neue Sorte wurde beschnuppert und stehen gelassen, jeder gut gemeinte Zusatz sauber herausgesucht und neben dem Napf abgelegt. Eine Sache aber hat sie nie abgelehnt – eine einzige.
Genau da haben wir angesetzt. Nicht mit dem nächsten Sack aus dem Regal, sondern mit dem, was schon funktionierte: kleine feste Stücke ihrer Lieblingszutat, vorsichtig ausgehöhlt und gefüllt mit dem, was sie eigentlich brauchte. So unauffällig, dass sie es nicht aussortieren konnte.
Das Prinzip dahinter lässt sich auf fast jeden wählerischen Hund übertragen: Finde heraus, was dein Hund niemals ablehnt, und mach genau das zum Werkzeug.
Nur steht dieser Satz bewusst nicht am Anfang dieses Artikels. Denn bevor irgendeine Technik sinnvoll ist, muss eine andere Frage beantwortet sein.
Der Fall ist anonymisiert, die fachlichen Details sind so, wie sie waren.
Die erste Frage ist nicht „was“, sondern „seit wann“
Fast alle Ratgeber zu diesem Thema beantworten dieselbe Frage: Wie bekomme ich mehr Geschmack in den Napf? Damit behandeln sie zwei völlig verschiedene Situationen als eine.
- Ihr Hund war immer schon mäkelig, ist dabei munter, hält sein Gewicht und wirkt gesund. Dann ist die Frage tatsächlich eine Fütterungsfrage, und der Rest dieses Artikels ist für Sie.
- Ihr Hund hat bisher zuverlässig gefressen und hört jetzt auf. Dann ist es keine Fütterungsfrage. Dann ist es eine medizinische, bis das Gegenteil geklärt ist – und jeder Trick, der vorher ausprobiert wird, kostet nur Zeit.
Ein dritter Fall gehört ebenfalls nicht hierher: der frisch angekommene Hund. Wer gerade Land, Sprache, Geräusche und Menschen auf einmal verloren hat, frisst oft für ein paar Tage schlecht, und das ist eine Reaktion auf die Ankunft und kein Charakterzug. Wie die ersten Wochen aussehen sollten, steht in Tierschutzhund richtig füttern – hier geht es um den Hund, der schon lange bei Ihnen wohnt.
Warum frisst mein Hund plötzlich nicht mehr?
Wenn sich das Fressverhalten ändert, hat sich etwas geändert. Die Aufgabe besteht darin herauszufinden, ob die Änderung im Hund liegt oder um ihn herum.
Im Hund – und das gehört in die Tierarztpraxis, nicht in eine Internetliste:
- das Maul. Ein kaputter oder gelockerter Zahn, entzündetes Zahnfleisch, eine Verletzung an der Zunge, ein Fremdkörper zwischen den Zähnen. Der Blick ins Maul wird bei Fressproblemen regelmäßig zu spät gemacht.
- Übelkeit, aus ganz unterschiedlichen Richtungen: Magen, Darm, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse.
- Schmerzen anderswo. Ein Hund, dem das Herunterbeugen weh tut, meidet nicht das Futter, sondern die Haltung. Ein erhöhter Napf beantwortet das Symptom und nicht die Ursache.
- Fieber und Infektionen, bei denen der Appetit als Erstes verschwindet.
- Medikamente. Viele haben Appetitverlust oder Übelkeit als bekannte Nebenwirkung. Wenn die Änderung zeitlich zu einer neuen Behandlung passt, sagen Sie das in der Praxis.
Um den Hund herum – hier können Sie selbst nachdenken:
- Hitze. Im Hochsommer fressen viele Hunde weniger, verschieben die Mahlzeit auf den Abend und sind trotzdem gesund.
- Läufigkeit, beim eigenen Tier oder bei einer Hündin in der Nachbarschaft. Manche Rüden interessieren sich dann tagelang für alles außer Futter.
- Stress und Veränderung: Umzug, Besuch, Handwerker, ein neues Tier im Haushalt, Alleinsein zu einer ungewohnten Zeit.
- Ein zweiter Hund am Napf. Wer beim Fressen bewacht wird, frisst schneller oder gar nicht.
- Eine neue Charge. Dasselbe Produkt kann anders riechen, anders aussehen, anders schmecken. Dazu weiter unten mehr.
Was auf dieser Liste nicht steht, ist „er will dich ärgern“. Hunde verweigern Futter nicht aus Trotz. Sie verweigern es, weil etwas weh tut, weil ihnen übel ist, weil sie angespannt sind – oder weil sie gelernt haben, dass Warten sich lohnt.
Ab wann ist es ein Alarmsignal?
Das ist der Teil, der vor jeder Technik kommt.
Bei einem gesunden erwachsenen Hund gilt als grobe Linie: länger als etwa 24 bis 48 Stunden gar nichts, und der Hund gehört in die Tierarztpraxis. Auch dann, wenn er sonst normal wirkt.
Am selben Tag – nicht am nächsten – gilt das für:
- Welpen und junge Hunde,
- sehr kleine Hunde,
- sehr alte Hunde,
- sehr magere Hunde,
- Hunde, die wegen einer chronischen Erkrankung behandelt werden, insbesondere bei Diabetes, wo eine ausgelassene Mahlzeit unmittelbar gefährlich werden kann.
Sofort, unabhängig von jeder Uhrzeit, wenn eines davon dazukommt:
- Würgen ohne Ergebnis bei aufgeblähtem, hartem Bauch. Das ist der Verdacht auf eine Magendrehung und ein Notfall, bei dem Stunden zählen.
- Der Hund trinkt nicht mehr.
- Apathie, Zittern, Zusammenbruch.
- Gelbe Schleimhäute oder gelbes Augenweiß.
- Starkes Speicheln, Maulschiefhalten, Pfoten am Maul, Futter, das beim Kauen wieder herausfällt.
- Erbrechen, Durchfall oder Fieber zusätzlich zur Verweigerung.
- Gewichtsverlust über Wochen, ohne dass Sie etwas geändert haben.
Wenn die Praxis daraufhin Blut abnimmt und am Ende mehrere Werte markiert sind: Ein einzelner Wert erzählt für sich fast nichts – warum es auf die Kombination ankommt, steht in Blutwerte beim Hund verstehen.
„Er frisst ja noch Leckerlis“ – warum das nichts beweist
Dieser Satz fällt in fast jedem Gespräch, und er ist der häufigste Grund, warum eine Abklärung zu spät kommt.
Er klingt logisch: Ein Hund, dem wirklich etwas fehlt, würde doch gar nichts mehr fressen. Nur ist ein Leckerli klein, weich, geruchsintensiv und in zwei Sekunden verschwunden. Die Ration dagegen ist eine Menge Arbeit: kauen, mehrere Minuten lang, mit demselben Gebiss.
Ein schmerzender Backenzahn lässt das eine zu und blockiert das andere. Eine leichte Übelkeit ebenso: Für eine Kleinigkeit reicht der Appetit, für eine volle Schüssel nicht.
Die Hündin aus dem Fall oben war genau so ein Hund. Sie war nicht wählerisch im Sinne von verwöhnt – sie hatte Gründe, und die standen nicht im Napf.
Merken Sie sich deshalb den Unterschied: Ein Hund, der Leckerlis nimmt, ist nicht gesund. Er ist nur nicht ganz appetitlos. Das ist zwei verschiedene Dinge.
Hund verweigert normales Futter: wie das Muster zu Hause entsteht
Angenommen, medizinisch ist alles geklärt. Der Hund ist gesund, hält sein Gewicht, ist munter – und lässt den Napf trotzdem stehen. Dann lohnt der ehrliche Blick auf die letzten Wochen.
Der Ablauf ist fast immer derselbe, und er kommt aus dem besten Motiv:
- Der Hund lässt eine Mahlzeit stehen.
- Die Sorge setzt ein, also kommt etwas dazu – ein Löffel Nassfutter, etwas Quark, ein Rest vom Abendessen.
- Er frisst. Alle sind erleichtert.
- Beim nächsten Mal wartet er. Nicht aus Berechnung, sondern weil er gelernt hat, was nach dem Warten kommt.
- Der Zusatz wird zur Normalität, also braucht es beim nächsten Mal einen neuen.
Nach ein paar Runden steht ein Regal voller angebrochener Sorten in der Küche, und der Hund frisst weniger zuverlässig als vorher. Das ist kein Erziehungsfehler und schon gar kein Charakterproblem – es ist ein Lernprozess, der genau so funktioniert hat, wie Lernprozesse funktionieren.
Zwei Dinge helfen, ihn aufzulösen:
- Der Napf hat eine Zeit. Hinstellen, weggehen, nach etwa zwanzig Minuten kommentarlos wieder mitnehmen. Kein Zureden, kein Danebenstehen, kein zweiter Versuch eine Stunde später. Wasser steht selbstverständlich immer bereit.
- Zwischen den Mahlzeiten kommt nichts. Kein Trostkeks, keine Kauartikel den ganzen Tag, keine Reste. Nicht aus Strenge, sondern weil Sie sonst nicht sehen, was Ihr Hund wirklich frisst.
Und dann kommt der Punkt, den fast alle unterschätzen: Zählen Sie zusammen, was neben dem Napf hineingeht. Trainingsleckerlis, Kauartikel, der Käse zur Tablette, das Stück Wurst beim Metzger, was die Kinder unter dem Tisch weiterreichen. Bei vielen sogenannten wählerischen Hunden ergibt diese Summe einen erheblichen Teil des Tagesbedarfs. Dieser Hund ist nicht mäkelig. Er ist satt, und sein Napf ist einfach die langweiligste Option des Tages.
Wichtig ist dabei die Grenze: Diese Konsequenz gilt für einen gesunden Hund. Ein Hund, bei dem etwas nicht stimmt, hungert sich nicht in die Vernunft, und ein Welpe, ein sehr alter oder ein sehr magerer Hund gehört ohnehin nie in ein Hungerspiel.
Wie bringe ich einen wählerischen Hund zum Fressen?
Jetzt zum Prinzip aus dem Fall – und es ist das Gegenteil von „immer wieder etwas Neues anbieten“.
Suchen Sie die eine Sache, die Ihr Hund nie ablehnt, und machen Sie sie zum Träger für alles andere. Bei der Hündin waren es feste kleine Stücke ihrer Lieblingszutat: vorsichtig ausgehöhlt, gefüllt mit dem, was sie eigentlich brauchte, wieder verschlossen. Sie konnte nicht mehr aussortieren, weil es nichts zu sortieren gab – und der Weg lief über etwas, das für sie von Anfang an positiv besetzt war.
Übertragen heißt das: Nicht das Ungeliebte schmackhafter machen, sondern das Geliebte zum Vehikel machen. Das ist ein anderer Gedanke, und er hält länger, weil er nicht auf Steigerung angewiesen ist.
Dazu die unspektakulären Hebel, die im Alltag mehr bringen als jede neue Sorte:
- Temperatur. Nassfutter direkt aus dem Kühlschrank riecht nach fast nichts. Handwarm angewärmt riecht es nach Futter – und Hunde entscheiden über die Nase, nicht über die Zutatenliste.
- Feuchtigkeit. Trockenfutter mit warmem Wasser angefeuchtet und kurz stehen gelassen wird weicher, duftet stärker und ist für alte Hunde mit empfindlichem Gebiss angenehmer.
- Ruhe. Ein Platz, an dem niemand vorbeiläuft, niemand zuschaut, niemand wartet. Bei mehreren Hunden getrennt und mit Abstand.
- Struktur. Laufen, fressen, schlafen, jeden Tag in derselben Reihenfolge. Ein Hund, der vorher bewegt wurde, kommt entspannter an den Napf als einer, der den ganzen Vormittag in der Wohnung gewartet hat.
- Kopfarbeit statt Extraportion. Ein Teil der Ration darf durch eine Suchaufgabe laufen – im Handtuch, in der Wiese, in einer Schnüffelmatte. Fünf bis zehn Minuten konzentriertes Schnüffeln machen viele Hunde müder als eine ganze Stunde Spaziergang, und was gesucht werden musste, wird auffallend selten liegen gelassen.
- Eine Änderung zur Zeit. Nicht gleichzeitig Sorte, Uhrzeit, Napf und Ort wechseln. Sonst wissen Sie hinterher nicht, was geholfen hat.
Ein Hinweis noch zum Verstecken: Wenn es um Medikamente geht, sprechen Sie das vorher in Ihrer Tierarztpraxis ab. Nicht alles darf mit Futter zusammen gegeben werden, und manches verliert dabei seine Wirkung.
Hund frisst nur, wenn ich dabei bin
Das gibt es, und es ist meistens kein Machtspiel.
Fressen ist ein Zustand, in dem ein Hund verwundbar ist: Kopf unten, Aufmerksamkeit im Napf. Ein unsicherer Hund braucht dafür das Gefühl, dass jemand aufpasst – Ihre Anwesenheit ist dann kein Publikum, sondern Rückendeckung. In Haushalten mit einem zweiten Hund ist es oft noch konkreter: Der eine frisst nur, solange Sie zwischen ihm und dem anderen stehen.
Das ist erst einmal in Ordnung. Problematisch wird es nur, wenn Sie deshalb nie mehr aus dem Haus können, ohne dass eine Mahlzeit ausfällt.
Der Weg heraus ist langsam und langweilig, wie fast alles, was hält: Sie bleiben dabei, aber Sie beschäftigen sich mit etwas anderem. Dann setzen Sie sich weiter weg. Dann stehen Sie kurz auf und kommen zurück. Dann verlassen Sie den Raum für einen Moment. Immer nur ein Schritt weiter, und bei Unsicherheit einen Schritt zurück. Getrennte Fressplätze mit Sichtschutz lösen den Mehrhundefall oft schon allein.
Warum stinkt das Hundefutter – und wann ist der Geruch ein Problem?
Manche Futtermittel riechen einfach unangenehm für uns, ohne dass etwas falsch ist: Nassfutter mit Fisch, Pansen, Innereien. Für Ihren Hund ist genau das häufig das Attraktivste am ganzen Napf – der Geruchssinn arbeitet in einer anderen Größenordnung als unserer, und was uns aus der Küche vertreibt, ist für ihn eine Einladung.
Ein Problem ist der Geruch, wenn er sich ändert:
- Nassfutter, das sauer, gärig oder stechend riecht statt kräftig – eine geöffnete Dose gehört gekühlt und wird nur kurz aufbewahrt, angewärmtes Futter kommt nicht zurück in den Kühlschrank.
- Eine gewölbte Dose oder ein aufgeblähter Beutel: nicht anbieten, wegwerfen.
- Trockenfutter, das ranzig riecht, nach altem Öl. Fett wird mit Wärme, Licht und Luft schlecht. Der Sack gehört verschlossen, kühl und dunkel, am besten in seiner Originalverpackung in eine Tonne gestellt statt umgeschüttet – die Fettschicht in einer alten Tonne wird selbst ranzig und überträgt sich auf die nächste Füllung.
- Ein Napf, der nur ausgespült wird. Fettreste am Rand werden alt und riechen. Napf täglich richtig spülen, das ist überraschend oft die ganze Lösung.
Und noch etwas: Wenn Ihr Hund ein Futter, das er jahrelang gefressen hat, von einem Tag auf den anderen ablehnt, dann prüfen Sie zuerst den Sack – Chargennummer, Haltbarkeitsdatum, Öffnungsdatum, Lagerort. Er hat die bessere Nase. Manchmal ist der wählerische Hund schlicht der Erste, dem etwas aufgefallen ist.
Hund frisst Gras – ist das gefährlich?
Grasfressen ist zunächst normales Hundeverhalten. Es ist kein sicherer Hinweis auf einen Mangel, keine Selbstmedikation und kein Beweis für eine Erkrankung – viele gesunde Hunde zupfen unterwegs, ohne dass danach irgendetwas passiert.
Aufmerksam werden sollten Sie, wenn sich das Muster ändert. Ein Hund, der hastig große Mengen schlingt, dabei würgt oder danach regelmäßig erbricht, hat häufig Übelkeit. Die kommt nicht vom Gras, sondern das Gras ist der Versuch, etwas zu tun. Übelkeit, die sich wiederholt, gehört abgeklärt.
Gefährlich ist außerdem weniger das Gras als das, was daran hängt:
- Grannen im Sommer, die sich in Maul, Rachen, Ohren und Pfoten bohren und wandern,
- frisch gedüngte oder mit Pflanzenschutzmitteln behandelte Flächen,
- Schneckenkorn in Gärten,
- Schnecken auf halbhohem, feuchtem Gras – der Übertragungsweg für Lungenwürmer,
- Wiesenränder, die als Hundetoilette genutzt werden, mit allem, was dort an Parasitenstadien liegt.
Und noch einmal die eine Kombination, die keine Beobachtungszeit verdient: Grasfressen, danach wiederholtes Würgen ohne Ergebnis und ein aufgeblähter Bauch – sofort in die Praxis.
Hund frisst plötzlich alles vom Boden
Der Vollständigkeit halber die Gegenrichtung, weil sie erstaunlich oft im selben Haushalt auftaucht: der Hund, der den Napf verschmäht und draußen alles aufsammelt.
Zwei Dinge stecken meistens dahinter. Das eine ist banal: Was auf der Straße liegt, ist interessanter als das, was seit Monaten in derselben Schüssel liegt – vor allem bei einem Hund, der zu Hause ohnehin ständig Kleinigkeiten bekommt.
Das andere ist nicht banal. Wenn ein Hund plötzlich anfängt, wahllos Nicht-Essbares aufzunehmen – Erde, Steine, Stoff, Kot –, kann das einen medizinischen Hintergrund haben. Blutarmut, Verdauungserkrankungen, hormonelle Erkrankungen und bestimmte Medikamente wie Kortison verändern das Fressverhalten in genau diese Richtung. Auch hier ist das Signal nicht die Menge, sondern die Änderung.
Praktisch, unabhängig von der Ursache: Das Aufnehmen vom Boden ist eines der wenigen Alltagsrisiken, die tödlich enden können – Giftköder, Schneckenkorn, Verdorbenes, Fremdkörper, die im Darm stecken bleiben. Ein zuverlässiges Abbruchsignal ist hier keine Erziehungskosmetik, und ein Maulkorb, an den ein Hund in Ruhe gewöhnt wurde, ist kein Eingeständnis, sondern eine Versicherung.
Wenn die Ration selbst die Frage ist
Manchmal ist der Hund gesund, die Regeln sitzen, die Leckerlis sind gezählt – und es bleibt trotzdem mühsam. Dann lohnt der Blick auf das, was tatsächlich im Napf ist: ob die Ration zu Alter, Gewicht, Aktivität und eventuellen Befunden passt, wie sie über den Tag verteilt ist, ob eine Unverträglichkeit im Spiel sein könnte, und was bewusst wegbleiben sollte.
Genau da setzt unsere unabhängige Ernährungsberatung für Hunde an – deutschlandweit per Video oder Telefon, ergänzend zur tierärztlichen Behandlung. Unabhängig heißt konkret: Wir verkaufen kein Futter und bekommen von keinem Hersteller Provision. Empfohlen wird, was zu Ihrem Hund passt, aus dem Sortiment, das Sie ohnehin bekommen. Für einen wählerischen, aber gesunden Hund reicht oft eine kurze Einschätzung; wenn ein Befund im Spiel ist, wird gerechnet.
Was Sie aus diesem Fall mitnehmen
Erstens: Die entscheidende Frage ist nicht, was in den Napf kommt, sondern seit wann er stehen bleibt. Immer schon mäkelig und dabei munter ist eine Fütterungsfrage. Plötzlich aufgehört ist eine Frage für die Tierarztpraxis, und dort gehört sie zuerst hin.
Zweitens: „Er frisst ja noch Leckerlis“ beweist nichts. Die Hündin aus dem Fall fraß Kleinigkeiten und ließ die Ration stehen – nicht aus Laune, sondern weil das Kauen ein Problem war.
Drittens: Wenn medizinisch alles geklärt ist, hilft nicht die nächste Sorte, sondern die eine, die nie abgelehnt wird. Finden Sie sie, und machen Sie sie zum Weg für alles andere. Das ist unspektakulär, es kostet nichts, und es funktioniert länger als jede Steigerung.
Wichtiger Hinweis
Die Ernährungsberatung ersetzt keinen Tierarztbesuch. Wir stellen keine Diagnosen und behandeln keine Krankheiten. Unsere Arbeit ergänzt die tierärztliche Betreuung, sie tritt nicht an ihre Stelle. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte zuerst an Ihre Tierarztpraxis.
Häufige Fragen
Warum frisst mein Hund plötzlich nicht mehr?
Weil sich etwas geändert hat – und die erste Aufgabe ist herauszufinden, ob die Änderung im Hund liegt oder um ihn herum. Im Hund: Schmerzen im Maul, ein kaputter Zahn, Übelkeit, Fieber, eine Erkrankung von Leber, Niere oder Bauchspeicheldrüse, eine Nebenwirkung von Medikamenten, Schmerzen irgendwo anders im Körper, die das Herunterbeugen zum Napf unangenehm machen. Um ihn herum: Hitze, Läufigkeit oder eine läufige Hündin in der Nachbarschaft, Umzug, Besuch, ein zweiter Hund am Napf, ein neuer Sack Futter aus einer anderen Charge. Entscheidend ist das Wort plötzlich. Ein Hund, der immer schon mäkelig war und dabei munter ist, ist ein anderer Fall als ein Hund, der bisher zuverlässig gefressen hat und nun aufhört. Der zweite gehört abgeklärt, bevor irgendjemand über Futtersorten nachdenkt.
Ab wann ist das ein Alarmsignal?
Bei einem gesunden erwachsenen Hund gilt als grobe Linie: Frisst er länger als etwa 24 bis 48 Stunden gar nichts, gehört er in die Tierarztpraxis – auch wenn er sonst normal wirkt. Deutlich früher, nämlich am selben Tag, gilt das für Welpen, sehr kleine, sehr alte und sehr magere Hunde sowie für Hunde, die wegen einer chronischen Erkrankung behandelt werden, etwa mit Diabetes. Unabhängig von jeder Uhrzeit ist es ein Notfall, wenn Ihr Hund würgt, ohne dass etwas kommt, und dabei einen aufgeblähten, harten Bauch hat, wenn er nicht mehr trinkt, apathisch wird, stark speichelt, gelbe Schleimhäute hat, das Futter beim Kauen wieder aus dem Maul fallen lässt oder wenn Erbrechen, Durchfall oder Fieber dazukommen. Auch ein Hund, der über Wochen langsam abnimmt, ohne dass Sie etwas geändert haben, ist ein Fall für die Praxis und keiner für Geduld.
Mein Hund frisst nur Leckerlis und verweigert normales Futter – was tun?
Zuerst: Nehmen Sie es nicht als Beweis, dass ihm nichts fehlt. Ein Leckerli ist klein, weich und sehr schmackhaft; ein schmerzender Zahn oder eine leichte Übelkeit lassen genau das noch zu und blockieren die Ration. Ist medizinisch alles geklärt, ist es meistens ein Muster, das zu Hause entstanden ist – aus Sorge, nicht aus Fehlern. Der Hund lässt den Napf stehen, es kommt etwas Besseres, er lernt, dass Warten sich lohnt. Was hilft, ist unspektakulär: feste Zeiten, ein ruhiger Platz, den Napf nach etwa zwanzig Minuten kommentarlos wieder mitnehmen und bis zur nächsten Mahlzeit nichts dazwischenschieben. Rechnen Sie außerdem einmal ehrlich zusammen, was über den Tag neben dem Napf hineingeht – Kauartikel, Trainingsleckerlis, ein Rest vom Tisch. Bei vielen wählerischen Hunden deckt genau das schon einen großen Teil des Bedarfs, und der Hund ist nicht wählerisch, sondern satt.
Mein Hund frisst Gras. Ist das gefährlich?
Grasfressen an sich ist ein normales Hundeverhalten und kein sicheres Zeichen für Mangel oder Krankheit. Viele Hunde tun es gelegentlich, ohne dass danach etwas passiert. Aufmerksam werden sollten Sie, wenn es sich ändert: Ein Hund, der hastig große Mengen in sich hineinschlingt, immer wieder würgt oder danach regelmäßig erbricht, hat oft Übelkeit – und Übelkeit hat eine Ursache, die abgeklärt gehört. Gefährlich ist außerdem weniger das Gras selbst als das, was daran hängt: Grannen, die sich im Sommer in Maul, Rachen und Pfoten bohren, frisch gedüngte oder mit Pflanzenschutzmitteln behandelte Flächen, Schneckenkorn im Garten und Schnecken auf halbhohem Gras, über die Lungenwürmer übertragen werden. Ein Hund, der zusätzlich würgt, ohne dass etwas kommt, und einen aufgeblähten Bauch hat, muss sofort in die Praxis.
Wie bringe ich einen wählerischen Hund zum Fressen?
Indem Sie aufhören, immer neue Sorten anzubieten, und stattdessen eine Sache suchen: das, was Ihr Hund nie ablehnt. Genau das wird zum Träger für alles andere. Bei einer Hündin aus unserer Praxis waren es feste kleine Stücke ihrer Lieblingszutat, vorsichtig ausgehöhlt und mit dem gefüllt, was sie eigentlich brauchte – so unauffällig, dass sie es nicht aussortieren konnte. Dazu die einfachen Dinge, die erstaunlich viel bringen: Nassfutter auf Körpertemperatur anwärmen statt kalt aus dem Kühlschrank servieren, Trockenfutter mit warmem Wasser anfeuchten, den Napf an einen ruhigen Platz stellen, an dem niemand zuschaut, und feste Zeiten statt eines ganztägig verfügbaren Angebots. Wichtig ist die Reihenfolge: Diese Tipps gelten für einen Hund, bei dem medizinisch alles geklärt ist. Bei einem Hund, der plötzlich aufgehört hat zu fressen, steht die Abklärung zuerst.
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